Neuzeitgeschichte Ukraine u. DE - Willkommen auf Besuch bei Willi Krisch

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Neuzeitgeschichte Ukraine u. DE

Krieg in Europa
Bestandsaufnahme der Deutschen Gesellschaft im hybriden Kriegszustand im Jahr 2022
 
 
Wie bereits in der Webseite aufgeführt hat die Philosophie Baruch de Spinozas  vor allem ein ethisch-praktisches Ziel: Er möchte von den illusorischen Lebenszielen das einzig Wahre unterscheiden, das ihm, wenn er es erreichen würde, eine stabile und wirklich befriedigende Freude verschaffen könnte.
 
Für Immanuel Kant ist vielleicht ewiger Friede nicht möglich, aber jeder Krieg verstößt gegen das Höchste, was den Menschen auszeichnet – die Verpflichtung auf die universalverbindlichen Gebote und Verbote. Über Krieg und Frieden hat der Philosoph aus Königsberg eine eigene, in rechts- und staatsphilosophischer Hinsicht bis heute unübertroffene Abhandlung geschrieben: «Zum ewigen Frieden». Aber was soll das sein, «ewiger Friede»? Und was versteht Kant unter Frieden? In der 1795 erstmals erschienenen Schrift behandelt Kant die entscheidenden Fragen: Warum soll unter den Menschen kein Krieg, sondern Friede herrschen? Worin besteht wahrer Friede? Als notwendige Vorfrage: Was ist ein Staat? Darf ein Staat in die Angelegenheiten eines anderen Staates eingreifen? In welcher Gestalt lässt sich der wahre ewige Friede verwirklichen? Und wie lässt er sich garantieren?
 
Ohne Zweifel haben beide, ihrer Zeit weit voraus, historische und wissenschaftliche, bis heute wertvolle, Arbeit geleistet. Was sie nicht wussten, nicht ahnen konnten, war die Tatsache, die uns heute geläufig ist, daß sowohl die materielle wie auch die nichtmaterielle Welt die uns umgibt, nicht statisch, unveränderlich ist. Wandel und Bewegung ist angesagt – vom Kleinsten bis zum unvorstellbaren Großen. Ewiger Frieden auf einem unbewegtem Planeten, ohne Vulkane und Erdbeben, neben einer Sonne die keine Wärme strahlt, hätte auch nie Leben und damit Menschen mit Bewußtsein ermöglicht. Diese materielle  aber bewegte Welt, auch Klima genannt, ist nicht durch den Menschen beeinflußbar. Zu den zum Klima schon genannten Ereignisse gehören auch lang anhaltente Großwetterlagen, Tsunamis, Epidemien, Pandemien, Sonneneruptionen, Meteoriten usw. und deren deutlich von den Menschen wahrgenommenen Auswirkungen werden Klimawandel, genannt. Eine, heute übliche, Initiative von Aktivisten, Politikern, Journalisten „Klimawandel stoppen“ ist sicherlich nicht nur sinnlos, sie ist auch in der Sache unmöglich! Die obengenannte nichtmaterielle Welt die uns, aber auch alle Menschen umgibt, kann treffend mit den Begriffen aus dem erweiterten Motto für Deutschland, beschrieben werden, es geht um: Einigkeit , Recht, Freiheit, Frieden, Freiheit, Freundschaft, „So wahr mir Gott helfe“. Auch diese Seite der realen Welt, vom Menschen beherrscht, ist einem ständigen Wandel unterworfen. Eine eigene Begriffsbezeichnung für diese Seite der Welt hat sich noch nicht etabliert: Gesellschaftswandel??
 
Was für Auswirkungen sich, zu einem gegebenen Zeitpunkt und Ort aus dem vorhandenen Mix aus Klimawandel und Gesellschaftswandel(?) ergibt, kann nicht von Menschen für die nächsten zehn Minuten, oder zehn Stunden, oder zehn Jahre, oder tausend Jahre verkündigt werden. Es wäre sicherlich nicht nur sinnlos, es wäre auch in der Sache unmöglich! Ist aber z.Z. nicht nur in Mode, sondern eine sehr lukrative, teils kriminelle  Gewinnmacherei.
 
Sieht man sich wissenschaftliche Geschichtsschreibungen an, so werden einige spektakuläre Untergänge von Weltmächten, z.B. der Untergang des alten Rom,  nicht zu übersehen sein. Über die Ursachen dieses Ereignisses im Imperium Romanum gibt es von den heutigen Historiker über 200 Erklärungen wie: Klimawandel, militärische Schwäche, zu lange unkontrollierbare Grenzen, innere Unruhen, Epidemien, Regierungsversagen, Eindringen ins Römische Reich von Gruppen mit friedlichen oder/und kriminellen Absichten.
 
In der jetzigen Zeit, 2022, findet mal wieder eine neue Weltaufteilung statt, von der Deutschland schwer betroffen ist, auch indem wir in einen hybriden Krieg (nicht ganz Krieg und nicht ganz Frieden) gezerrt wurden. Die Folgen: Inflation, die Energieversorgung aus fossilen Brennstoffen der Bevölkerung, der Wirtschaft und für den Verkehr, am Boden, Spaltung der Gesellschaft, massive Flüchtlingsströme aus teils mit Menschen die nicht aus einer Notlage in ihrer Heimat flüchten, sondern von international organisierten kriminellen Schlepperbanden, für viel Geld, gebracht werden usw.
 
Einen wichtigen Vorläufer für eine neue Weltaufteilung fand bereits 1990 in Deutschland statt, friedlich, freundlich und demokratisch. Ermöglicht wurde dieser historische Vorgang in erster Linie durch den unbeugsamen Wille der großen Mehrheit der DDR-Bevölkerung. Sie demonstrierten friedlich mit der Losung „Wir sind ein Volk“. Gegner der Einheit gab es mehr als genug, sowohl im Inland wie auch im Ausland. Zeitlich gesehen wird es wahrscheinlich, ab von heute gesehen, noch etwa ein oder zwei Generationen, oder mehrere Generationen dauern, bis auch die letzten Vorurteile und Meinungsverschiedenheiten der beiden Vereinten sich erledigen. Aus familiären, dienstlichen, freundschaftlichen oder zufälligen Anlässen kann es sich ergeben daß ein Wesie, Osie, WOsie oder gar EUsie gemütlich zusammenkommen, und der WOsie gerne dem Osie erklären möchte daß er ja auch, so eine Art Osie wäre. Die Lehre aus dieser Geschichte für den WOsie: das machst du nicht nochmal! Die Lehre aus dieser Geschichte für den Leser: Beim nächsten Treffen dieser beiden Menschen, dem Osie mit dem WOsie, gab es nur Freude und beide waren friedlich – Einigkeit mit Fraternité hat eine Mauer und traurige Trennung ersetzt.
Ganz anders aufgestellt, als das seinerzeit geteilte Deutschland, sind die USA, Russen, Ukrainer, NATO, EU und die Deutschen in dem heutigen grausamen Krieg in der Ukraine. Von Einigkeit mit Fraternité keine Spur.
Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung; Geschichte der Ukraine im Überblik
 
 
Das heutige Territorium der Ukraine gehörte im Laufe der Geschichte zu mindestens 14 verschiedenen Staaten, darunter das Königreich Polen-Litauen, das Russische Reich, die Habsburgermonarchie und die Sowjetunion. Im Spannungsfeld zwischen Ost und West gelegen, hat es sich häufig gegen seine Nachbarn behaupten müssen.
 
 
 
                                               
 
Dem ukrainischen Nationaldichter Taras Schewtschenko trug seine Kritik am Zarenreich Haft und Verbannung ein. Denkmal des Dichters in Lemberg (Lwiw) (© picture-alliance / allOver / Karl Thomas)
 
 
Kurze Einführung in die Neuzeitgeschichte des Staates Ukraine
 

Das Gebiet des heutigen ukrainischen Staates bzw. seiner Teilregionen war im Laufe der Geschichte Bestandteil von mindestens 14 verschiedenen Staaten; die wichtigsten unter ihnen waren das Königreich Polen-Litauen, das Russische Reich, die Habsburgermonarchie und die Sowjetunion. Gegenstand der ukrainischen Geschichte kann also nicht der Staat sein wie im Fall Frankreichs oder Russlands. Dies gilt allerdings nicht nur für die Ukraine, sondern für viele andere moderne Staaten, unter ihnen Deutschland und Italien. Angesichts der fehlenden staatlichen Kontinuität könnte das ukrainische Volk Gegenstand der Geschichte sein. Der Begriff des Volkes ist allerdings schwammig und bezeichnet in einzelnen Epochen unterschiedliche Gemeinschaften. Dies spiegelt sich auch in den Völkernamen wider. Das Gleiche gilt für die Nationen, die sich erst in der Frühen Neuzeit zu formieren begannen und im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts konsolidierten. Die Nationsbildung der Ukrainer wurde von den herrschenden Nationen der Polen und Russen, die die Existenz einer ukrainischen Nation lange, zum Teil bis heute, in Abrede stellten, behindert und verzögert. Dies hat auch Auswirkungen auf die Geschichtsschreibung: Die ukrainische Erzählung wurde und wird vom polnischen und russischen historischen Narrativ angefochten. So bleibt als Gegenstand einer ukrainischen Geschichte nur das Territorium des heutigen unabhängigen Staates. Das bedeutet, dass nicht nur die Ukrainer, sondern auch andere ethnische Gruppen wie die Juden, Polen, Russen, Deutschen und Krimtataren, die auf diesem Territorium lebten, mitberücksichtigt werden müssen.
 
23.8.1939
Deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt
September 1939
Besetzung Galiziens und West Wolhyniens durch sowjetische Truppen
1941
Besetzung der Ukraine durch deutsche Truppen
Ab 1942/43
Ukrainische Aufstandsarmee (UPA)
1943/44
Rückeroberung der Ukraine durch die Sowjetarmee
30.4.1945
Ukraine Gründungsmitglied der Vereinten Nationen
März 1946
Verbot und Verfolgung der Unierten Kirche in der Westukraine
1953
Tod Stalins
1954
Die Krim wird in die Ukrainische SSR eingegliedert
1956
XX. Parteitag der KPdSU, Entlassung zahlreicher politischer Gefangener
1963–1972
Petro Schelest wird 1. Sekretär der ukrainischen KP
1972–1984
Wiederholte "Säuberungen" in der Ukraine
11.3.1985
Amtsantritt Michail Gorbatschows als Generalsekretär der KPdSU
26.4.1986
Katastrophe im Kernkraftwerk Tschernobyl nördlich von Kiew
10.9.1989
Volksbewegung der Ukraine für die Perestrojka (Ruch) gegründet
November 1989
Wiederzulassung der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche
16.7.1990
Souveränitätserklärung der Ukraine
24.8.1991
Unabhängigkeitserklärung der Ukraine
1.12.1991
In einem Referendum sprechen sich 90 % der Abstimmenden für die Unabhängigkeit der Ukraine aus. Wahl Leonid Krawtschuks zum ersten Präsidenten
8./21.12.1991
Begründung der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), Ende der Sowjetunion
1994
Vernichtung der ukrainischen Kernwaffen, im Budapester Protokoll garantieren die USA, Russland und Großbritannien der Ukraine die territoriale Integrität
1.6.1994
Vorläufiges Partnerschafts- und Kooperationsabkommen mit der EU
1994–2004
Präsidentschaft von Leonid Kutschma
9.11.1995
Aufnahme der Ukraine in den Europarat
28.6.1996
Verabschiedung einer neuen Verfassung (Präsidialdemokratie)
31.5.1997
Vertrag über Freundschaft, gute Nachbarschaft und Zusammenarbeit mit Russland
März 1999
Abkommen mit Russland über Aufteilung der Schwarzmeerflotte
März 2003
Massendemonstrationen gegen Präsident Kutschma
5. 9.2004
Giftanschlag auf Viktor Juschtschenko
21.11.2004
Im zweiten Wahlgang der Präsidentenwahlen wird Viktor Janukowytsch gewählt
22.11.2004
Beginn von Massenprotesten (Orange Revolution)
4.12.2004
Annullierung des gefälschten zweiten Wahlgangs
26.12.2004
In der Wiederholung der Stichwahl wird Juschtschenko gewählt
4.2. 2005
Bestätigung der Regierung Tymoschenko durch das Parlament
25.2.2005
Bilateraler EU-Aktionsplan mit der Ukraine (ohne Beitrittsperspektive)
Januar 2006
Gasprom stoppt die Gaslieferungen in die Ukraine
April 2008
Antrag der Ukraine auf einen Aktionsplan für eine NATO-Mitgliedschaft abgelehnt
1.10.2008
Verlängerung des Freundschaftsvertrags mit Russland um zehn Jahre
7.2.2010
Janukowytsch wird zum Präsidenten gewählt
21.4.2010
Abkommen zwischen der Ukraine und Russland zum Gashandel und über die Verlängerung des Pachtvertrags der russischen Schwarzmeerflotte
11.10.2011
Tymoschenko wird zu sieben Jahren Freiheitsentzug verurteilt
19.12.2011
Abschluss der Verhandlungen über ein Assoziierungsabkommen mit der EU
30.4./19.7.2012
Paraphierung des Assoziierungsabkommens mit der EU
21.11.2013
Die Regierung erklärt, die Vorbereitungen für die Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens aussetzen zu wollen
21.–24.11.2013
Protestdemonstrationen in mehreren ukrainischen Städten
29./30.11.2013
Die Demonstration auf dem Kiewer Majdan wird gewaltsam aufgelöst
1./8.12.2013
Großdemonstrationen auf dem Majdan
17.12.2013
Zusage von massiver Finanzhilfe Russlands an die Ukraine
16.1.2014
Gesetz gegen die Demonstrationsfreiheit und Eskalation der Gewalt in Kiew
18.–20.2.2014
Bewaffnete Auseinandersetzungen in Kiew fordern über 100 Todesopfer
21.2.2014
Vereinbarung Janukowytschs mit drei Oppositionsführern unter ausländischer Vermittlung
21./22.2.2014
Flucht Janukowytschs aus Kiew
22.2.2014
Das Parlament enthebt den Präsidenten seines Amtes
24.2.2014
Wahl Oleksandr Turtschynows zum kommissarischen Präsidenten
27.2.2014
Wahl Arsenij Jazenjuks zum amtierenden Ministerpräsidenten
27.2.2014
Bewaffnete Besetzung des Krimparlaments in Simferopol, Einsetzung eines neuen Ministerpräsidenten
1.3.2014
Das russische Parlament erteilt Putin die Vollmacht, die Armee in der Ukraine einzusetzen
Ab 1.3.2014
Prorussische Demonstranten besetzen Verwaltungsgebäude in der Ostukraine
17.3.2014
Referendum über die "Wiedervereinigung der Krim mit Russland"
18./20.3.2014
Aufnahme der Krim in die Russländische Föderation
21.3.2014
Unterzeichnung des politischen Teils des Assoziierungsabkommens mit der EU
7.4., 27.4.2014
Ausrufung der "Volksrepubliken" Donezk und Luhansk
30.4.2014
Kreditzusage des IWF an die Ukraine
Ab April 2014
Antiterroristische Aktion der Regierungstruppen
2.5.2014
In Odessa kommen über 40 prorussische Demonstranten durch Brandstiftung ums Leben
11.5.2014
Referendum über die Unabhängigkeit der beiden "Volksrepubliken"
25.5.2014
Petro Poroschenko wird zum Präsidenten der Ukraine gewählt
27.6.2014
Assoziierungs- und Freihandelsabkommen mit der EU unterzeichnet
17.7.2014
Der Absturz eines malaysischen Verkehrsflugzeugs bei Donezk fordert 298 Tote
Ende Juli/Anfang August 2014
Vorrücken der ukrainischen Armee gegen Donezk und Luhansk
Ab Mitte August 2014
Gegenoffensive russischer und separatistischer Kräfte, Eröffnung einer Zweiten Front im Süden
5.9.2014
Vereinbarung über Waffenruhe (Minsk 1)
26.10.2014
Parlamentswahlen
12./15.2.2015
Waffenstillstand zwischen der Ukraine und den Separatisten (Minsk 2)
2019
Mit Wolodymyr Selenskyj regiert in der Ukraine seit 2019 ein Präsident, der dem Projekt einer ukrainischen Nation weiter Auftrieb gibt. Dieser arbeitet Ulrich Schmid zufolge erfolgreich an der Umsetzung von Art. 11 der Ukrainischen Verfassung, welcher gebietet, dass die verschiedenen kulturellen Traditionen in einem gemeinsamen Nationalstaat integriert werden sollen.
13.03.2022
Die Jüdische Allgemeine bilanzierte am 13. März 2022: „Lange Zeit galt die Ukraine als gespalten und zerrissen. Diese Vorstellung war nicht nur in Russland, sondern auch im Westen und im Land selbst verbreitet. Diese Spaltung ist nunmehr Geschichte: Heute gibt es nur eine vereinte Ukraine, die Putin zerstören will, die aber mutig für Demokratie und Freiheit und vor allem um ihre Existenz kämpft.“
Quelle: Ukrainische Nation – Wikipedia
 
Sebastian Christ stellte die These auf, daß das nicht wertschätzende Sprechen über Ukrainer und ihre Pläne durch Deutsche vor allem dadurch bedingt sei, dass Ukrainer im Kontext deutscher Geschichtspolitik nicht (genügend) als Opfer nationalsozialistischer Politik betrachtet würden, da Deutsche sich vor allem für Opfer „auf Augenhöhe“ interessierten, wodurch man bei Opfern in der Sowjetunion sofort an Russen (das „Herrenvolk“ im Sowjetimperium) denke. Dabei erschienen die Interessen der kleineren Völker zwischen Deutschland und Russland im Vergleich zur Verständigung mit Russland als sekundär. Manchen Deutschen falle es, so Christ, schwer zu verstehen, dass die koloniale Politik europäischer Imperial Mächte nicht ausschließlich auf Asien und Afrika bezogen gewesen sei. Die deutschen Verbrechen an der slawischen Bevölkerung Osteuropas passten nicht in die „beiden global gewordenen Schemata von Erinnerung“, nämlich die Erinnerung an den Holocaust, mit Fokus auf die Vernichtung der europäischen Juden, und die Erinnerung an Sklaverei und Kolonialismus, mit Fokus auf People of Color. Das habe dazu geführt, dass osteuropäischen Erfahrungen mit der nationalsozialistischen Besatzungspolitik oft nur über Bezüge zum Holocaust Geltung verschafft werden konnte.
 
Annexion der Krim durch Russland 2014 und unerklärter Russisch-Ukrainischer Krieg in Donbass
 
Russische Annexion der Krim Wikipedia

 
Die Ereignisse des Euromaidan 2013/2014 und die folgenden russischen Aggressionen hätten Ulrich M. Schmid zufolge diejenigen Staatsbürger der Ukraine, die sich als Angehörige der ukrainischen Nation verstehen, „auch in Gebieten, die zuvor nicht durch übermäßigen Patriotismus auffielen, zusammenrücken“ lassen. Bei der Präsidentschaftswahl 2014 war Petro Poroschenko der erste gewählte Präsident der Ukraine, welcher nicht in einer Stichwahl antreten musste und gleichzeitig gewann erstmals ein Präsident alle Regionen der Ukraine für sich, also auch im Osten und im Süden. Darauf wies Andreas Kappeler hin, zudem darauf, dass regionale, aber auch sprachlich-ethnische Identifikationen aufgrund der Bedrohung durch Russland gegenüber dem ‚Bekenntnis zur Staatsbürgernation‘ in den Hintergrund getreten seien. Nach Ansicht der Politologin Gwendolyn Sasse hatte der Krieg bis 2018 „das Gegenteil von dem bewirkt, was Russland durch seine Unterstützung für die ‚Volksrepubliken‘ zu erreichen hoffte: Die Idee vom ukrainischen Staat ist gestärkt worden und vereint weite Teile des Landes mehr als je zuvor“. Weder die Krim-Annexion noch der hybride Krieg konnten der grundlegenden Freundschaft der Ukrainer zu Russland etwas anhaben; der Anteil derjenigen, welche Ukrainer und Russen als ein Volk betrachten, also als Brudervolk, betrug im August 2021 41 % der Befragten, erst nach zwei Monaten des russischen Überfalls, also im April 2022, war diese Zahl auf 8 % gesunken. Dabei war die Unterstützung für diese Lieblingsthese Wladimir Putins nur noch bei der älteren Generation (13 % der über 50-Jährigen) und in der Ostukraine (23 %) signifikant höher.
 
Ein Name wurde bisher noch nicht genannt, er sollte aber, weil er zu der Geschichte der Ukraine gehört. Weil er von seinen Anhänger heute In- und außerhalb der Ukraine  verehrt wird und die Flaggen seiner Anhänger heute in der Ukraine zahlreich gehisst werden. Es handelt sich um  Stepan Andrijowytsch Bandera  (* 1. Januar 1909 in Staryj Uhryniw, Galizien, Österreich-Ungarn; † 15. Oktober 1959 in München). Er war ein  nationalistischer ukrainischer Politiker (OUN)  und Partisanenführer (UPA). In der Russischen Föderation gilt er als Terrorist, in der Ukraine als Nationalheld, als Kämpfer für die Befreiung der Ukraine von den Russen.
Quelle: Der Bandera-Kult - Die problematische Seite des ukrainischen Nationalismus | deutschlandfunkkultur.de
 
Banderas Kämpfer verübten Massaker an den polnischen Bewohnern der Westukraine, in Ostgalizien und im nordöstlich angrenzenden Wolhynien. 1943/44 metzelten sie bis zu 100.000 Zivilisten nieder. Zunehmend gingen sie auch gegen die Deutschen vor. Seit Kriegsende konzentrierten sie sich auf den Widerstand gegen die Sowjetherrschaft.
„Als man bemerkt hat, dass Deutschland den Krieg nicht gewinnen wird und als man sich umstellen wollte, hat man sich vom Faschismus äußerlich verabschiedet. Das war der Wunsch, mit den USA, mit den Alliierten zusammenzuarbeiten – gegen die Sowjetunion.“
 
Der Bandera-Kult heute in der Ukraine und weltweit, einige Beispiele:
 
Die Anhänger des Fußballvereins Karpaty Lwiw zeigen bei Heimspielen ihres Vereins regelmäßig große Transparente mit seinem Konterfei. Umfragedaten zeigen, dass die Bandera-Verehrung ausschließlich auf den Westen begrenzt ist. Im Zentrum und im Südosten des Landes ist die Zustimmung zu Bandera mit wenigen Ausnahmen sehr niedrig. In der Ostukraine, aber auch in Polen, Russland und Israel gilt Bandera hingegen überwiegend als Verbrecher und NS-Kollaborateur. Der schwedisch-US-amerikanische Historiker Per Anders Rudling bezeichnet Bandera als Faschisten. Im Januar 2010 verlieh der damalige ukrainische Präsident Wiktor Juschtschenko Bandera postum den Ehrentitel Held der Ukraine. Die damalige Ministerpräsidentin Julia Timoschenko von der Vaterlandspartei sprach Juschtschenko in dieser Angelegenheit ihre Unterstützung aus. Die polnische und russische Regierung sowie einige andere Institutionen protestierten gegen diese Ehrung. Das Europäische Parlament äußerte die Hoffnung, dass der neue Präsident der Ukraine diesen Präsidialerlass revidiere. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum verurteilte die Ehrung und wies darauf hin, dass Bandera
 
 
Banderas Grab in München wurde in der Nacht auf den 17. August 2014 – während des Kriegs in der Ukraine – von Unbekannten verwüstet. Von russischer Seite wird seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine der Bandera-Kult staatlicher ukrainischer Stellen Mitschuld am Tod von Tausenden Juden trage. Im März 2010 kündigte der neue Präsident der Ukraine, Wiktor Janukowytsch, an, dass Juschtschenkos Erlass außer Kraft gesetzt werde. Im Januar 2011 wurden gerichtliche Entscheidungen, den Titel wieder abzuerkennen, schließlich rechtskräftig. Die Pressestelle des Blok Juliji Tymoschenko kritisierte die Gerichtsentscheidung als politisch. Die Aberkennung sei zudem ein Bruch von Wahlversprechen Janukowytschs. dazu genutzt, die durch die Revolution 2014 an die Macht gekommenen demokratischen Parteien und Politiker pauschal als „Faschisten“ zu verunglimpfen. Auch im Juli 2022, also nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022, ist der Grabstein von Unbekannten beschmiert worden.

Durch einen Beschluss des Stadtparlaments vom Juli 2016 wurde der Kiewer „Moskauer Prospekt“ in „Stepan-Bandera-Prospekt“ (Проспект Степана Бандери) umbenannt.
Die erste umfassende und wissenschaftliche Biographie Banderas und damit einhergehend die erste eingehende Studie des um ihn entstandenen Kults erschien 2014, geschrieben von Grzegorz Rossoliński-Liebe. 2017 legte Lutz C. Kleveman eine Darstellung zum Thema vor, der zur Rolle Banderas eine bislang nicht erfolgte, notwendige Auseinandersetzung mit der eigenen Kollaborations-, Faschismus- und Antisemitismus-Geschichte in der Ukraine anmahnt. Die von Bandera ausgerufene unabhängige Ukraine war mitnichten im Sinne Hitlers, doch benutzte er die ukrainischen Nationalisten und ließ aus Banderas Milizen eine ukrainische Hilfspolizei gründen. Kollaboration spielt auch im Zusammenhang mit sowjetischen Kriegsgefangenen eine große Rolle. Wie in Deutschland wurde auch in Lemberg (Lwiw) ihr Schicksal lange verschwiegen. In der Zitadelle über der Stadt, in der sich jetzt ein Luxushotel befindet, starben über 140.000 sowjetische Kriegsgefangene, weil die deutschen Besatzer sie verhungern ließen. Unter dem 2019 ins Amt gewählten Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ist der Versuch eines Wandels in der Geschichtspolitik festzustellen; sie hat sich jedoch nicht völlig verändert, da der neue Kulturminister politisch ähnlich denkt wie sein Vorgänger. Dies bedeutet auch, dass die nach Bandera und Schuchewytsch benannten Straßen in Kiew ihren Namen behalten. Die Heroisierung der OUN spielt in der offiziellen Erinnerung eine weniger große Rolle; stattdessen werden Persönlichkeiten in den Vordergrund gerückt, mit denen sich alle Ukrainer unabhängig von ethnischer Zugehörigkeit und politischer Ausrichtung identifizieren können.
 
Prominente Freunde dieses Bandera Kults gibt es weiterhin – zum Beispiel den Botschafter der Ukraine in Deutschland (bis Okt. 2022), Andrij Melnyk. „Man kann ohne weiteres sagen, dass Herr Melnyk auch einige Elemente der Ideologie der Organisation Ukrainischer Nationalisten aufgenommen und umgesetzt hat. Dazu gehört der absolute Russenhass. In der Perspektive werden die Russen als Hauptfeinde, Erbfeinde der Ukrainer aufgefasst.“ Melnyk ist bekannt geworden, weil er sehr entschieden ukrainische Interessen in Deutschland vertritt. Kürzlich sorgte er für Aufmerksamkeit, weil er die Einladung des Bundespräsidenten zu einem Solidaritätskonzert für die Ukraine ablehnte. Mit der Begründung: dort würden Künstler russischer Herkunft auftreten. Die Auftretenden gehörten allerdings zu denen, die den russischen Angriffskrieg verurteilen.
 
Weiterhin gibt es auch Anhänger des Banderas Kults in der Ampel Deutschlands, aber nicht in der Mehrheit des Volkes, in der EU in Brüssel und der NATO. Als das Erkennungsmerkmal für die Zugehörigkeit zu der Bandera Ideologie gilt dabei: Demokratiefeindlichkeit, kein Friedenswille, Verachtung von Menschenleben und uneingeschränkte  Bereitschaft für Waffenlieferungen an die Banderisten. Daß die EU dringend reformbedürftig ist, ist reichlich bekannt. Die Britten haben die EU verlassen, möglicherweise weil sie verstanden haben was die Worte bedeuten: "Life punishes those who leave too late" (dt. Wer zu spät geht den bestraft das Leben).
 
 
Rolle der Religion in der Ukraine
 
Bei einer Umfrage des Instituts Razumkov im November 2021 antworteten 79,6 Prozent der befragten Ukrainer, dass es nicht notwendig sei, einer bestimmten Religion oder Kirche anzugehören, um ein Ukrainer zu sein. In keiner der vier Großregionen der Ukraine und in keiner der konfessionellen Gruppen fand die Ansicht, dass eine bestimmte Religions- oder Kirchenzugehörigkeit notwendiges Merkmal der ukrainischen Identität sei, eine Mehrheit. Bei der gleichen Umfrage bekannten sich 60 Prozent der Befragten zum orthodoxen Glauben, 8,8 Prozent zum griechischen Katholizismus, 8,5 Prozent bezeichneten sich als „einfach christlich“ und 18,8 Prozent bekannten sich zu gar keiner Religion. Nach der konkreten Kirchenmitgliedschaft befragt, bekannten sich 24,1 Prozent zur Orthodoxen Kirche der Ukraine, 13,3 Prozent zur Ukrainisch-Orthodoxen Kirche Moskauer Patriarchats, 21,9 Prozent bezeichneten sich als „einfach orthodox“. In allen vier Großregionen war bei dieser Befragung die Orthodoxe Kirche der Ukraine die stärkste orthodoxe Kirche, im Süden und Osten bezeichnete sich aber die größte Gruppe als „einfach orthodox“ (34,4 bzw. 25 Prozent). Im Vergleich zu 2010 ist die Mitgliedschaft in der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche Moskauer Patriarchats stark zurückgegangen, vor allem in der Südukraine.
Patriarch Kyrill I. hält den Überfall auf die Ukraine am 24. Februar 2022 für gerechtfertigt. Er sei „von metaphysischer Bedeutung“, denn es seien „böse Kräfte“ am Werk, die Russland bedrohten. Der Kriegsdienst sei eine Bekundung von „Nächstenliebe nach dem Evangelium“ und „ein Beispiel der Treue zu den hohen sittlichen Idealen des Wahren und Guten“. Gisa Bodenstein bewertet diese Aussagen als „Verklärung brutaler Gewalt, die sich vermehrt auch gegen Zivilisten richtet, zum gerechten Krieg‘.“

Einzelne Aspekte des ukrainischen Nationalbewusstseins
 
Holodomor-Gedenken
Wikipedia Holodomor#Umgang in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion
 
Im November 2008 veröffentlichte die Ukrainische Akademie der Wissenschaften Zahlen und Fakten über den Holodomor, der dadurch stärker ins Zentrum der ukrainischen Erinnerungskultur rückte. Das Gedenken an die Millionen ukrainischen Opfer der von Stalin herbeigeführten Hungersnot stärkt bis heute das Zusammengehörigkeitsgefühl der ukrainischen Staatsbürger.
 
Amorphe Identität“ der Ukraine
 
André Härtel vertritt im Anschluss an Oleksandr Sushko die These, dass der ukrainische Staat bis zum Euromaidan durch eine „amorphe Identität“ geprägt gewesen sei. „Gemeint ist damit, dass ethnische und nationale Selbstidentifikation kaum politische Wirkmächtigkeit entfalteten in einer Gesellschaft, die nach 1991 vor allem mit der Anpassung an die neuen, für die meisten sozialen Gruppen schweren ökonomischen Bedingungen zu tun hatte und sich politisch noch weitgehend in sowjetischer Tradition als Subjekt der Elite empfand. Neben den Mischidentitären waren ja auch die Gruppen der sich rein als „ukrainisch“ oder „russisch“ bezeichnenden Menschen bis auf marginalisierte nationalistische Randgruppen kaum ‚national bewusst‘ und unterscheidbar, geschweige denn anhand ethnischer Trennlinien mobilisierbar.“ Härtel weist darauf hin, dass durch die Sozialisation der in der Ära der Sowjetunion Aufgewachsenen „ethnische oder nationale Kriterien nach sieben Jahrzehnten Sowjetkommunismus nicht nur in der Ukraine nur noch bedingt sinnstiftende Wirkung entfalten konnten.“ Der Euromaidan habe, so Härtel, eine Rückkehr zur früheren „amorphen Identität“ der Ukraine unmöglich gemacht.
 
Natalya Filitowa bezeichnet die in der Sowjetzeit sowohl von der politischen Führung als auch von der sowjetischen Wissenschaft aufgestellte Behauptung, dass die „nationale Frage in der Sowjetunion“ ein „erfolgreich gelöstes Problem“ sei, als eine der „hartnäckigsten aller innersowjetischen Lebenslügen“ Noch zur Zeit des Bestehens der Sowjetunion, in der Regierungszeit von Michail Gorbatschow, sei, so Filitowa, der Neologismus „Russischsprachige“ entstanden. „Gemeint sind damit alle Menschen, die Russisch im Alltag sprechen, die aber keine Russen (Vertreter russischer Nationalität) sind, z. B. die russischsprachige Bevölkerung in der Ukraine oder in den Baltischen Staaten.“
 
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